Schäferinnen Ensemble

Im 18. Jahrhundert gefiel es der Noblesse, das vermeintliche Idyll des Schäferlebens galant nachzuspielen: Die Schäferspiele des Rokoko. Auch in der Mode wurde dieses aufgegriffen, und das folgende Ensemble, das ich in den nächsten Tagen vorstellen werde, möchte dies reproduzieren:

Eine feine Chemise

Für die feine Dame, aus herrlichem feinen Leinen. Die Spitzen sind auf ein Haushaltsband aus Baumwolle gekräuselt und an die Chemise geheftet, so dass sie leicht zum Waschen entfernt werden können. Die Volants am Ärmel sind aus noch feinerem, durchscheinenden Material, auf das ich die Spitzen aufgenäht habe.

 

 

Schwarzes Empire

Neue Epoche dazugekommen! Im Oktober besuche ich einen Jane Austen Ball. Hierzu wird natürlich ein Kleid benötigt! Da ich beschlossen habe, bei neuen Schnitten erstmal alles in Einfach und mit Maschine zu nähen, um Passform und Alltagstauglichkeit zu testen, habe ich kurz vorm WGT noch dieses Empirekleid genäht, sozusagen zur Probe. Darunter trage ich ein Empire Kurzmieder, das meiner Meinung nach den Charme einer Stützstrumpfhose hat, wenn man es nicht am Körper einer Frau betrachtet sondern in den Händen hält. Die Wirkung am Körper ist dafür umso schöner!

 

Wollcape überarbeitet

Das schwarze Wollcape hat mir noch nicht ganz gefallen und hat deshalb einige Veränderungen erfahren. Es hat ein Futter aus schwarzem Seidensatin erhalten, die Kanten sind mit einer Blende aus schwarzem Seidentaft versehen worden und einen anderen Verschluss aus Zinn gab es auch. Viel schöner jetzt!

Herrenhemd

Dieses Herrenhemd ist das erste Kleidungsstück, das ich komplett von Hand genäht habe (von einigen Accessoires abgesehen). Es ist aus feinem weißem Leinen und nach einem Schnitt von Kannick’s Korner gearbeitet. Leider habe ich kein Gesamtfoto mehr vom Hemd, deshalb kommen jetzt einige Details:

Zwickel unterm Arm:

 

Kragen zum Umklappen:       

 

 

 

 

 

 

Detail vom Brustschlitz:

 

 

 

 

 

 

Ärmelschlitz:

Halsbinde #2

Die zweite Halsbinde – dieses Mal aus weißen Seidentaft – ist hinsichtlich der Fältelung schon deutlich filigraner geworden! Beide Halsbinden sind nur von vorne aus Seide, die Rückseiten sind aus Leinen. Die wunderschöne Schnalle gehört dem Herrn, der die Halsbinde trägt und ist ein Original aus dem 18. Jahrhundert. Da die Knöpfe der Schnalle nicht ganz symmetrisch sind, haben die Knopflöcher unterschiedlichen Abstand zueinander.

Gut behütet

Am Wochenende ging es unter anderem zu einem historischen Kirchgang. Aber nicht ohne Hut! Der Hutstumpen ist aus schwarzem Wollfilz. Ich habe ihn mit dem Dampfbügeleisen bedampft, um die Kante hochzubiegen. Außerdem wurde er mit Pfauenfedern, Hahnenfedern, Seidenband und einer Brosche verziert. Das Seidenband ist noch ein Stoffrest von der Francaise gewesen, ich habe es doppelt genommen und verstürzt. Unter dem Hut wird noch das Häubchen getragen.

Häubchen

So, Mme. Brigantia! Jetzt können Sie mir kein skandalöses Erscheinen mehr nachsagen! Jetzt besitze ich nämlich ein Häubchen! :-)

Dieses habe ich im ICE auf dem Weg zu einem Ball genäht. Und mich über die verwunderten Blicke meiner Mitreisenden amüsiert. Wenn ja einer gefragt hätte, was das wird, hätte ich es ja glatt erläutert… aber wer nicht fragt…?

Das Häubchen ist aus feinem Leinen, mit antiker Baumwollspitze umfasst und von Hand genäht. An der Unterkante befindet sich ein Tunnelzug um es etwas anzuziehen. Befestigt habe ich es mit Haarnadeln, die ich durch die Spitze gesteckt habe.

1960er

Und nun machen wir einen Sprung um etwa 200 Jahre ins 20. Jahrhundert, und zwar in die Mitte der 1960er. Dieses Kleid habe ich nach einem Burda Originalschnittmuster genäht, ist etwas länger her, leider kann ich mich an das genaue Jahr nicht erinnern. Bei den antiken Burda Schnittmustern kann ich genausowenig nach der Maßtabelle gehen wie bei den modernen, die geben sich da nix. Der Stoff ist ein bedruckter Baumwollköper, ich bin mir nicht sicher wie verbreitet damals Köper für Kleider war. Der nahtverdeckte Reißverschluss am Rücken dürfte jedenfalls alles andere als authentisch sein, aber ich fand ihn einfach schöner. Foto: Alenka Jovic

Wollcape

Der Winter kommt, keine Frage. Dies ist mein Wollcape, das ich aus Costume Close-up nachgearbeitet habe. Es ist vollständig von Hand genäht, für die Nähte habe ich antikes Leinengarn verwendet. Die Kapuze ist hinten so nett gerafft, das hat mir sehr gut gefallen. Momentan schließe ich das Cape mit einer Brosche, hier fehlt natürlich noch eine richtige Schließe. Das Original ist ungefüttert, mein Cape ist es derzeit auch, allerdings trage ich mich mit dem Gedanken, es noch mit dem schwarzen Seidenatlas, den ich hier noch herumliegen habe, zu füttern.

  

Fotos: Eta Carinae

 

Handschuhe

Ebenfalls für die frischere Jahreszeit: Handschuhe bzw. Stulpen. Außen sind sie aus der gleichen Seide, die ich bei der Française für die Dekoration verwendet habe. Innen sind sie mit Leinen gefüttert, bzw. die obere Spitze ist mit der dunkelgrünen Seide der Française. Die Handschuhe sind komplett von Hand genäht und bestickt.

Das Blumenmotiv habe ich aus einem Buch mit Vorlagen für Blumen- und Blattdekore, die ganz gut zum Rokoko passen. Ich habe es mit einem Schneiderkreidenstift auf dem Stoff vorgezeichnet und mit Plattstich bzw. Kettstich gestickt. Verwendet habe ich dazu meine Vintage Nähseide auf den Pappröllchen, die ich immer wieder so gerne auf Haushaltsauflösungen erstehe.

Die Kanten habe ich mit dem Hexenstich genäht, rechts sieht man den Hexenstich von innen:

  

 

Fichu

Für die etwas frischere Jahreszeit! Das Fichu besteht aus einem dreieckigen Tuch aus Seidenchiffon, der ursprünglich eine leichte Kreppstruktur hatte. Diese Kreppstruktur mochte ich nicht, daher habe ich sie herausgebügelt. Die Spitze stammt vom Flohmarkt.

Robe à la Française

Das ist meine erste Robe à la Française. Ich habe sie nach Janet Arnold nach einem Original aus Snowshill Manor von ca. 1775 genäht. Sie besteht aus grünem Seidentaft, die Schleifen sind aus hellgrüner Moiréseide.

Das Kleid besteht aus Rock, Manteau und Stecker. Darunter trage ich eine Chemise, an ihr sind auch die Spitzen für den Ausschnitt und Ärmel angebracht. Die Rüschenverzierungen habe ich mittels Maschinennaht mit gelockerter Fadenspannung gekräuselt und von Hand an Rock und Manteau angenäht. Das fand ich einfacher, als meterweise Stoff unter der Maschine zu führen!

Foto: Eta Carinae

Von hinten sind die für eine Française typischen Watteaufalten zu sehen:

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Eta Carinae

 

Den Stecker habe ich mit mehreren Lagen Freezerpapier verstärkt. Ich trage ihn, indem ich die oberen Laschen mit Stecknadeln an die Schnürbrust stecke. Das geht oben noch ganz gut, weil man von oben noch innen reinfassen kann. Durch die mittleren und unteren Laschen habe ich ein Baumwollband gezogen, das ich am Rücken schließe, das ist einfacher als mit den Nadeln. Auch der Manteau wird mit Stecknadeln am Stecker befestigt. Und nein! Da passiert wirklich nichts! Solange die Nadel halbwegs senkrecht gesteckt wird und unten wieder herauskommt, ist alles gut!

Foto: Eta Carinae

Poschen

Poschen (frz. poches, dt. Taschen) verleihen einem Rock erst die notwendige Hüftausladung. Die Vorteile der Poschen gegenüber einem Panier sind zum einem die Beinfreiheit, da sich kein Stahl- oder sonstiges Band vor den Knien befindet, gegen das man stoßen könnte. Zum Anderen schätze ich es sehr, dass man allerlei lebensnotwendige Gegenstände wie Puder, Taschentuch, Fächer und Riechfläschchen darin aufbewahren kann.

Rokoko Schnürbrust

Für ein Rokoko Kleid ist eine Schnürbrust unumgänglich. Nur durch eine Schnürbrust wird die typische kegelförmige Silhouette geformt, ebenso das Dekolleté.

Meine Schnürbrust ist nach einer Anleitung unter www.marquise.de gearbeitet. Sie war nach den Poschen das erste Teil, das ich für meine Rokoko Ausstattung genäht habe. Sie ist mit Stahlfederband halbversteift, das heißt, die Stäbe liegen nicht ganz dicht aneinander. Sie wird sowohl vorne als auch hinten geschnürt, wobei ich die hintere Schnürung noch nie verändert habe. Die vordere Schnürung ist jedoch wichtig, sofern man nicht über eine Zofe verfügt, die beim Ankleiden behilflich ist.

Die Zaddeln und der obere Rand sind mit einem Band versäubert, das ich von Hand angenäht habe. Ebenso sind die Schnürösen von Hand versäubert. Das hört sich schrecklich an, aber ich bin mir sicher, mit der Maschine wäre es noch viel schrecklicher geworden, bzw. wäre bei den Schnürösen gar nicht möglich gewesen. Bei dieser Gelegenheit habe ich für mich entdeckt, wie meditativ von Hand nähen ist. Ich mag es.

Renaissancekleid

Ich habe einen wunderschönen Brokat Bettüberwurf geerbt. Er war wie geschaffen für ein ein historisches Projekt! Für den Hamburger Maskenzauber benötigte ich ein hochgeschlossenes Kleid, unter dem ich bequem auch noch einen Wollpulli tragen kann, um beim Flanieren den kalten Februartemperaturen trotzen zu können.

Das Kleid der Dorothea Sabina von Neuburg, in dem sie 1598 bestattet wurde und das in den 1960ern von Janet Arnold analysiert und dokumentiert wurde, war das Vorbild für mein Kleid.

Der Bettüberwurf reichte natürlich nicht für das komplette Kleid aus. Das wäre wohl auch etwas zuviel Gemustere geworden. So besteht jetzt das Mieder und die Hängeärmel aus dem Brokat, ebenso ein Ausschnitt des Rocks und die Kopfbedeckung. Das Original besteht aus einem Unterrock und einem offenen Überrock, ich habe im Rock vorne den Brokat eingesetzt. Das Kleid wird mit einem Reifrock und einem sog. Weiberspeck getragen.

 

 

 

 

 

 

Fotos: Eta Carinae

Lange Zeit habe ich nach einer passenden Borte gesucht, am Bettüberwurf war zwar eine Borte angebracht, die aber in der Länge nicht reichte. Für das Falten des goldenen Schößchens habe ich folgendes Hilfsmittel angewandt: Ich habe auf einer Seite mit der Maschine eine Naht mit der größtmöglichen Stichlänge (das war 5,5 mm) genäht. Diese Stiche habe ich zum Abzählen verwendet, damit ich immer genau den gleichen Abstand falten kann. Die Falten im türkisfarbigen Rock darunter sind sog. Cartridge Pleats, ich weiß den deutschen Namen nicht dazu, der Begriff Stiftelfalten trifft es am Ehesten, sei aber nicht ganz dasselbe.

 

 

 

 

Fotos: Eta Carinae

 

Der erste Eintrag

Dies ist nun mein allererster Eintrag in meinem neuen Blog unter www.nadelmaid.de.

Die Schleifen gehören zu dem Stecker meiner grünen Robe à la Française, von der natürlich ebenfalls noch Bilder und Informationen folgen.

Foto: Eta Carinae